Wie man Schiedsrichter wird

Volleyball Region Basel Schiedsrichterkurs 2019

Wie in jeder Sportart braucht es auch im Volleyball nach einer Niederlage einen Schuldigen.
Dies ist in der Regel jemand aus der Schiedsrichterloge. Ich konnte mich in einen Ausbildungsgang einschleichen und kenne nun all die Rituale und Geheimnisse, die die Männer und Frauen mit der Pfeife so speziell macht.
Alles Nonsens, natürlich ist der Schiedsrichter nicht schuld an Sieg oder Niederlage, und es gibt auch keine Rituale oder Geheimnisse.
Also nochmal alles auf Anfang, diesmal aber mit gebührendem Ernst.

Schiedsrichter sind notwendig. Aber woher nehmen?

Sobald in einer Sportart wie Volleyball offizielle Spiele ausgetragen werden, braucht es Schiedsrichter. Jeder Verein ist dazu verpflichtet, eine gewisse Anzahl an Schiedsrichtereinsätzen zu leisten. Diese Zahl wird durch die benötigten Schiedsrichter pro Team berechnet. So muss zum Beispiel ein Club mit einer Zweitliga- (zwei Schiedsrichter) und einer Viertligamannschaft (ein SR) insgesamt 30 Einsätze kompensieren.
Ansonsten wird der Verein gebüsst, oder es können  – im Wiederholungsfall – sogar Mannschaften gestrichen werden
Das führt dazu, dass jedes Jahr in einem Ausbildungsgang die Reihen der Schiedsrichter aufgefüllt werden, auch wenn der eine oder andere zur Teilnahme ‘überredet’ werden muss.
Früher einmal, als Bälle und Schiedsrichter noch weiss waren, hatte ich schon einmal die Berechtigung auf den Bock zu klettern. Seither hat sich einiges getan, und so entschloss ich mich, im 2019 den Kurs zu besuchen und wieder aktiv zu pfeifen.
In diesem Artikel möchte ich einen Blick hinter die Kulissen mit euch teilen.

Erster Akt: Anmelden und Vorbereiten

Irgendwann nach Saisonende wurde auf der Webseite vom Volleyball Regionalverband Basel der alljährliche Schiedsrichterkurs ausgeschrieben.
Ebenso gab es auch Kurse für das Ausfüllen des Volleyball-Matchblattes (Schreiberkurs). Ein bestandener Schreiberkurs sowie ein Mindestalter von 16 Jahren waren die einzigen quantifizierbaren Bedingungen für die Anmeldung zum Schiedsrichterkurs. Regelkenntnis und Motivation wurde aber auch vorausgesetzt.
Nach der Anmeldung zum Kurs und dem Bezahlen der Gebühr (die bei Bestehen des Kurses auch das T-Shirt abdeckt), erhielt der Kandidat das aktuelle Regelbuch. Mit diesem, ergänzend zum hoffentlich vorhandenen Vorwissen, konnte (sollte…) er sich bis zum Beginn des zweiten Aktes vorbereiten.

Zweiter Akt: Theorie- und Praxiswochenende

An zwei Tagen wurde den überwiegend jüngeren Aspiranten beigebracht, was alles zum Schiedsrichterwesen dazu gehört. Trotz des zum Teil eher trockenen Stoffes, wie zum Beispiel das Protokoll vor dem Spiel, der Umgang mit Spielerlizenzen oder wie man ein Matchblatt korrigiert war es nie langweilig. Die erfahrenen Kursleiter liessen immer wieder Anekdoten einfliessen, und vor allem die Diskussionen über die Behandlung von Spezialfällen boten Platz für einige Lacher.
Auch bei den in der Turnhalle stattfindenden Lektionen kam der Spass nicht zu kurz. Jede(r) durfte/musste hoch auf den Bock, und neben den obligaten Korrekturen wurden Tipps und Tricks vermittelt.
Gleichzeitig machten sich die spielenden Kandidaten die Mühe, auch den einen oder anderen Fehler einfliessen zu lassen. Alle waren mit vollem Körpereinsatz dabei, auch die Kursleiter (vielleicht war der Taucher aber auch ein Fall von akuter Verzweiflung…)
Nach den zwei Tagen hiess wieder: Vorbereiten auf den nächsten Teil.

Dritter Akt: Theorieprüfung

Eine besondere Herausforderung an diesem Donnerstagabend stellte die theoretische Prüfung gleich zu Beginn: Es hiess, das Protokoll (der Ablauf vor dem eigentlichen Spiel) aus dem Gedächtnis heraus zu notieren. Viel Text für jemanden, der sich Handschriftliches nicht mehr gewohnt ist. Die weiteren Teile bestanden in der Korrektur eines Matchblattes sowie einer ganzen Reihe von regeltechnischen Multiple Choice Aufgaben.
Noch am selben Abend erhielten alle Kandidaten die Mitteilung, ob sie bestanden hatten. Bei positivem Bescheid ging es weiter zum letzten Teil.

Vierter Akt: Praktische Prüfung

Beinahe schon traditionell fanden die praktischen Schiedsrichterprüfungen an den Turnieren vom VB Therwil und vom TV Muttenz statt.
Ich durfte gleich am Sonntagmorgen zum ersten Spiel in der Kriegacker Sporthalle Muttenz antreten. Muttenz 2 und Laufen 3 hatten das Vergnügen, Statisten bei der Prüfung zu sein.
Je einen Satz als erster und als zweiter Schiedsrichter galt es zu pfeifen, beobachtet von den Experten. Dazu kam noch die Übung des Protokolls, welches aber nicht bewertet wurde.
In der Besprechung gleich nach dem Spiel wurde man noch auf einige Punkte hingewiesen, und erfuhr dann sofort, ob man bestanden hat.Bei positivem bescheid erhielt man auch umgehend das (bestellte) Shirt in passender Grösse und wurde im Kreis der Schiedsrichtergilde willkommen geheissen.
Mit der Mahnung, sich gleichentags ins System einzuloggen, die Angaben zur Person und vor allem auch die für Einsätze verfügbaren Tage anzugeben, wurde man entlassen.

Fünfter Akt: Bald gilt es Ernst

Weniger als eine Woche später sind die Einsätze schon bekannt, und bald wird die Saison beginnen. Die Jungschiedsrichter werden überwiegend in der 4. und 5. Liga eingesetzt und sind verpflichtet, während er nächsten beiden Jahre mindestens fünf Spiele pro Saison zu leiten.
Zur Auffrischung müssen sie dann, wie jeder Regionalschiedsrichter, alle zwei Jahre einen Wiederholungskurs besuchen, um immer auf dem aktuellen Stand der Regeln zu sein.
Allen die bestanden haben (19 von 26 Teilnehmern) wünsche ich alles Gute bei den Spielen. Den Kursleitern Hugo, Martin und Ilenia sowie den Experten Max und Daniela vielen Dank für die Betreuung und den Einsatz.